Wim Alosery and Jewgenij Malychin
Wim Alosery and Jewgenij Malychin


Wim Alosery aus den Niederlanden (links) und Jewgenij Malychin (Ukraine) überlebten die Bombardierung der Häftlingsschiffe in der Lübecker Bucht am 3. Mai 1945. 70 später trafen sie sich bei der Gedenkveranstaltung in Neustadt-Pelzerhaken.
Foto: Mark Mühlhaus / KZ-Gedenkstätte Neuengamme

Grußwort von Martine Letterie

Präsidentin der Amicale Internationale KZ Neuengamme, anlässlich des 75. Jahrestages der Bombierung der Häftlingsschiffe in der Lübecker Bucht
am 3. Mai 1945

Jewgeny Malychin und Wim Alosery posierten 2015 gemeinsam am Cap-Arcona-Ehrenmal. Sie gehörten zu den wenigen Überlebenden der Katastrophe in der Lübecker Bucht am 3. Mai 1945, wenige Tage vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs.
Um ihre Spuren zu verwischen, deportierten die Nazis Ende April Tausende von Häftlingen aus dem Konzentrationslager Neuengamme an den Hafen von Neustadt. Dort wurden sie auf die Schiffe Athen, Thielbeck und Cap Arcona verbracht. Die beiden letzteren lagen weiter draußen in der Bucht vor Anker, als britische Typhoons am 3. Mai einen Luftangriff starteten. Die Piloten nahmen an, dass es sich um deutsche Truppentransporte handelte.
Auf der Cap Arcona befanden sich etwa 7000 Häftlinge, an Bord der Thielbek 2500 bis 3000. Die Cap Arcona fing an zu brennen, die Thielbek sank ziemlich schnell. Auf beiden Schiffen brach die Hölle aus. Die Gefangenen versuchten, ihr Leben zu retten, aber nur wenige hatten Erfolg. Die meisten ertranken oder verbrannten, auch schossen die englischen Flugzeuge weiter auf die Ertrinkenden. Deutsche SS-Männer und Mitglieder der Hitlerjugend schossen auf die Häftlinge, die die Küste erreichten. 7000 Menschen starben einen schrecklichen Tod.
Der Niederländer Wim Alosery kam im Herbst 1944 im Alter von 21 Jahren über das Lager Amersfoort in das Konzentrationslager Neuengamme, weil er sich geweigert hatte, für die deutschen Besatzungsmächte zu arbeiten. Nach der Räumung des KZ Neuengamme landete er auf der Cap Arcona. Am 3. Mai 1945 konnte er sich vom sinkenden Schiff in das Meer abseilen, wo er auf wundersame Weise einen Platz auf einem der wenigen Schlauchboote fand. Wim sagte: Neuengamme war schrecklich, das Außenlager Husum Schwesing, in dem er eine Weile gefangen war, fand er noch schlimmer, aber dieser Tag in der Lübecker Bucht war die Hölle. Das Schlimmste, das er in seiner ganzen Häftlingszeit erlebt hatte.
Jewgeny Malychin wurde als 17-Jähriger aus der Ukraine zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt. Nach einem Fluchtversuch wurde er ins KZ Neuengamme überstellt und gelangte von dort in die Lübecker Bucht auf die Cap Arcona. Auch er überlebte die Katastrophe.
In den letzten Jahren kamen die beiden Männer immer wieder nach Neustadt, um den Opfern der Katastrophe zu gedenken. Am 3. Mai 2018 gelang es Wim Alosery nicht mehr, dabei zu sein. Er starb am Abend des 2. Mai in Hamburg. Jewgeny Malychin wollte auch dieses Jahr wieder anwesend sein, aber er darf aufgrund der aktuellen Situation nicht reisen.
Die beiden Herren haben uns immer vorgelebt, wie wichtig es, die Erinnerung zu bewahren. Und das möchte ich jetzt in dieser Stelle im Namen der Amicale Internationale KZ Neuengamme zum Ausdruck bringen, auch wenn wir in diesem Jahr am 3. Mai nicht in Neustadt sein können: Alle Überlebenden des KZ Neuengamme, alle Angehörigen und Freude gedenken heute den Opfern der Geschehnisse vor 75 Jahren. Wir setzen uns ein für ein Europa, in dem so etwas nie mehr geschehen kann.